
Seit Montag gehen in ganz Deutschland Schüler_innen und Student_innen auf die Straße um gegen das aktuelle Bildungssystem zu demonstrieren. Am Hauptaktionstag gestern fanden dabei bundesweit Demonstrationen in mehr als 80 Städten mit insegesamt bis zu 240 000 Teilnehmern statt. Die GRÜNE JUGEND und Cem Özdemir, Bundesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, solidarisieren sich mit den Streikenden und unterstützen deren Anliegen.
Die Forderungen sind vielfältig. Hier die wichtigsten in Kürze:
Studiengebühren abschaffen!
Bildung sollte immer und überall für jeden und jede offen stehen, und zwar unabhängig vom finanziellen Hintergrund. Das gebietet das Prinzip der Gleichberechtigung. Durch Studiengebühren wird dieses Prinzip verletzt, da Kinder aus finanziell schwachen Familien dadurch ein Studium entweder gar nicht oder nur unter großen Anstrengungen durch die Doppelbelastung von Job und Studium finanzieren können. Die eingeführten Studienkredite helfen hier kaum und haben nur zur Folge, dass den Absolvent_innen der Berufseinstieg durch einen gewaltigen Schuldenberg zusätzlich erschwert wird.
Eine Schule für alle!
Das dreigliedrige Schulsystem in Deutschland und vor allem die frühe Aufteilung der Kinder nach der vierten Klasse auf Hauptschule, Realschule und Gymnasium ist hochgradig ungerecht. Für die Lehrer_innen ist es quasi unmöglich zu beurteilen welche Fähigkeiten ein 10-jähriges Kind als Jugendlicher oder Erwachsener entwickeln wird. Eine gerechte Empfehlung nach den Stärken des Kindes für eine passende weiterführende Schule kann gar nicht stattfinden. Stattdessen konzentriert man sich beim “Aussortieren” auf die Schwächen der Kinder und den sozialen Hintergrund. Somit wird soziale Ungleichheit manifestiert und unbequeme Schüler_innen werden auf Haupt- und Sonderschulen abgeschoben und ihnen damit jede Chance auf eine vernünftige Zukunft genommen.
Deshalb fordern wir gemeinsames Lernen für alle und dabei individuelle Förderung um jeder Schüler_in die gleiche Chance auf eine gute Ausbildung zu geben.
Kleinere Klassen, mehr Lehrer_innen! Besseres Betreuungsverhältnis an den Hochschulen!
In Deutschland wird seit Jahren an Bildung gespart. Gemessen am BIP gab Deutschland in den letzten Jahren rund 15% weniger als andere Industriestaaten für die Bildung seiner Jugend aus. Folge sind nicht nur schlechte technische Ausstattung, sondern auch große Klassen und überfüllte Hörsääle mit viel zu wenig Lehrer_innen und Dozent_innen, was kaum Raum für individuelle Betreuung und Förderung lässt. So ist kein vernünftiges Lernen möglich, das eine Entfaltung der Persönlichkeiten und Entwicklung der eigenen Fähigkeiten ermöglicht.
Kopfnoten abschaffen!
Die Bewertung des Sozialverhaltens von Schüler_innen durch Kopfnoten ist ungerecht. Sie bietet Lehrer_innen ein Ventil um unbequemen Schüler_innen einen Denkzettel zu verpassen, verbaut diesen im Extremfall die Zukunft und kann so kaum einem potentiellen Arbeitgeber einen Anhaltspunkt über die Fähigkeiten der Bewerber_in geben.
Die rege Teilnahme in den letzten Tagen zeigt: Die Menschen haben die Nase voll und eine neue Jugendbewegung formt sich um das
zu ändern. Und wer dazu noch die parallel laufenden Protetste von Erzieher_innen für bessere Arbeitsbedingungen beobachtet, dem wird klar: Mit Deutschlands Bildungssystem stimmt einiges nicht!
Deshalb sind auch noch den Rest der Woche alle Schüler_innen, Student_innen, Lehrer_innen, Eltern und alle die sich sonst noch angesprochen fühlen dazu aufgerufen sich an den Protesten zu beteiligen und für ein besseres Bildungssystem zu kämpfen.
Der Bildungsstreik endet am Samstag mit einer großen Abschlusskundgebung in Düsseldorf. Start ist um 13.00 am Hauptbahnhof.
Die Website zum Protest: http://www.bildungsstreik2009.de/