Diejenigen, die das Internet nutzen, wissen: Dieses Medium ist dasvielfältigste, aktuellste und lebendigste, das wir je hatten. Nirgendwohaben wir sonst einen so einfachen Zugang zu einer vergleichbaren Massean Informationen und Meinungen. Bei diesem Hintergrund ist esbegrüßenswert, dass auch den Schüler_innen an den Lohmarer Schulen mit Computerräumen und Selbstlernzentren das Internet zur Verfügunggestellt wird.Vor einigen Monaten jedoch wurden diese Computer mit einem Filterausgerüstet. Dieser sperrt generell den Zugang zu allen Internetseiten,mit Außnahme einzelner ausgewählter Seiten. Die Folgen sind fatal: Einfachste Seitenmit offensichtlich harmlosem Inhalt bleiben unzugänglich, Emailverkehr(der gerade in der Oberstufe ein durchaus übliches Kommunikationsmittelzwischen Schüler_innen und Lehrer_innen ist) ist nicht mehr möglich, undRecherchen zu jedem Thema werden sinnlos, wenn sowieso ein Großteil der relevanten Seiten unzugänglich ist.
Als Grund für das alles wurde der “Jugendschutz” angegebe, und niemandwill bestreiten, dass dieser wichtig ist. Zweifellos gibt es im Internetauch Seiten mit fragwürdigem Inhalt und zweifellos müssen geradejüngereSchüler davor geschützt werden. Doch hier ist die Art und Weise einewichtige Frage. Ich denke, dass das Stichwort “Medienkompetenz” hier eine entscheidene Rolle spielt. Schüler_innen sollte ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Internet beigebracht werden, statt dass man sie in Watte packt und versucht sie mit Verboten völlig von jeglichen Gefahrenquellen abzuschirmen. Es sollte vermittelt werden wo die Gefahren liegen und erreicht werden, dass die Schüler_innen durch kritisches Denken selbstständig dazu fähig sind bedenkliche Seiten zu erkennen. Und dazu muss es eben auch einmal möglich sein, dass eine solche Seite im Unterricht besprochen wird und die Schüler_innen ihren Inhalt diskutieren können.
Die Schule hat die Aufgabe die Schüler_innen auf das Leben vorzubereiten, und zwar auf ein Leben, dass eben auch aus Gefahren besteht. Früher oder später werden die Kinder wenn sie zu Hause das Internet nutzen auch auf bedenkliche Seiten geraten. Ist es dann nicht viel besser, wenn ihnen in der Schule vermittelt wurde, wie sie damit umgehen können? Eine künstliche heile Welt durch Zensur in der Schule zu erschaffen hilft da wenig.
Ganz abgesehen davon leben wir in einem Land, in dem Meinungsfreiheit einer der wichtigsten Werte ist. Warum sollte dies also gerade an Schulen, an denen jungen Menschen diese Werte vermittelt werden sollen, anders sein? Damit Meinungsbildung stattfinden kann, müssen die Schüler_innen Zugang zu vielfältigen Meinungen haben. Nur so können sie zu aufgeklärten und weitsichtigen jungen Erwachsenen werden. Mit der Zensur durch das aktuelle Filtersystem ist dies, zumindest im Schulunterricht, nicht möglich.